Impressionen – Eindrücke - vom Erntedankfest 2018
im Raum Liegnitz / Lüben

Die Bundesgruppe Liegnitz und die Bundesgruppe Lüben sowie Freude aus Liegnitz riefen und über 100 Personen kamen in zwei Bussen, per Bahn oder PKW nach Liegnitz, um über das Wochenende 05./08.10.2018 sich wieder in der Heimat zu treffen, zu feiern, sich auszutauschen und Dank zu sagen anlässlich des Erntedankfestes.



Nach 2007 in Parchwitz folgten ähnliche Feste in Wahlstatt, Kroitsch, Arnsdorf-Siegendorf, in Kunitz, dann Neudorf und zuletzt in Rüstern und nunmehr in einem kleinen Ortsteil der Stadt Polkowitz im ehem. Nachbarkreis Lüben. Das tat gut, denn beide Heimatgruppen (Liegnitz und Lüben) sind durch das gemeinsam herausgegebene Heimatblatt miteinander verbunden.

Aus München kam in alter Gewähr, Peter Ludwig und aus dem norddeutschen Raum, Hannover, Peter Winkler in zwei Bussen. PKW Reisende kamen bis aus Kaiserslautern im Saargebiet oder aus Hamburg um dabei zu sein.
Die beiden Busse füllten die Anwesenheit in der Heimat damit zusätzlich aus, dass der Bus aus München eine Tagesfahrt durch das Bober - Katzbach - Gebirge und der Bus aus Hannover eine Tagesfahrt nach Breslau durchführten.



Die Feierlichkeiten selbst begannen in einem Jugendraum in der ehem. Haagstr. mit der Vorstellung des Buches „Schlesisches Himmelreich“ in polnisch und deutsch gehalten und beinhaltet die Lebensgeschichte des verstorbenen Vorsitzenden der Deutschen Sozial-kulturellen Gesellschaft in Liegnitz Jürgen Gretschel, sowie Rezepte von Gerichten, die er bevorzugte. „Seine“ Tanzgruppe umrahmte diese Veranstaltung, zu der mehrere Hundert Personen aus Liegnitz neben uns gekommen waren.



Der Auftakt unseres Treffen war wie in all den vergangenen Jahren, die Gedenkstunde auf die Stadtfriedhof mit der Niederlegung eines Gesteckes mit Schleife in den Stadtfarben, einer Ansprache von Frau Monika Hönigschmid sowie dem Singen von zwei Liedern und dem gemeinsamen Sprechen des Gebetes des Herrn.

Um 10.00 Uhr erwartete uns der Stadtpräsident von Liegnitz Tadeusz Krzakowski im Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Er gab seiner Freude Ausdruck, Freunde wiederzusehen, aber auch neue und jüngere Gesichter zu sehen. Der Stadtpräsident freute sich auch darüber Herrn Klaus Rudolph von der Bundesgruppe Liegnitz bei anderer Gelegenheit, wie den Feiern anlässlich des 25 jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Wuppertal gesehen zu haben.
Er vertraute darauf, dass wir, unabhängig von der in diesen Wochen stattfindenden Kommunalwahl – der Stadtpräsident ist seit 16 Jahre im Amt – uns wiedersehen.
Menschen kommen und gehen, so sagte er, die Kontakte sind aber auf Fundamenten gebaut, auf Verständigung im einem gemeinsamen Haus Europa, wo wir alle Nutzen und Freude haben und damit eine gute Zukunft erreichen.
Das Motto lautet, so der Stadtpräsident „Liegnitz verbindet uns“.
Nach diesen wichtigen Worten nahm Peter Winkler für die Bundesgruppe Liegnitz die Gelegenheit wahr, dem Stadtpräsidenten Dank zu sagen für diese Worte, aber auch für die jahrelange gute Zusammenarbeit.
Er zeichnete ihn dann mit der Goldenen Ehrennadel der Bundesgruppe aus und überreichte zusätzlich die von Klaus Rudolph gefertigte Ehrenurkunde mit folgendem Wortlaut.
Urkunde
In Würdigung der besonderen Verdienste zwischen Polen und Deutschland, insbesondere zwischen den früheren Bürgerinnen und Bürgern von Liegnitz und den heutigen Bewohnerinnen und Bewohnern von Legnica / Liegnitz, wird Herrn Stadtpräsident Tadeusz Krzakowski die Goldene Ehrennadel der Bundesgruppe Liegnitz e. V. Wuppertal verliehen.
Wuppertal den 06.10.2018
Für den Vorstand  Klaus Rudolph, Peter Winkler, Henry Näpelt, Klaus-Dieter Eckert, Helga Zinsmeyer

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Nach diesem Empfang wartete bereits der neue Direktor des Kupfermuseums Marcin
Makuch auf uns, um einen kleinen Empfang in den Räumlichkeiten der Ritterakademie  zu geben. Auch mit ihm und seinem in Pension gegangenen Vorgänger Niedzielenko verbinden uns freundschaftliche Kontakte, auch wenn seitens des Museums bedauert wurde, dass das deutsche Kulturgut der Liegnitzer Sammlung nicht nach Liegnitz gegeben würde, obwohl hier mehr Interesse daran besteht, als (leider) hier in Deutschland.
Tatsache ist und das muss deutlich gesagt sein, dass die Liegnitzer Sammlung in Wuppertal verbleibt und durch Bindung an die Stiftung der Heimatvertriebenen in Sachsen in Deutschland bleiben muss, was nicht ausschließt, sich mit zeitlich begrenzten Leihgaben gegenseitig auszutauschen, was bisher stets der Fall war.



Frau Barbara Siwik stellte danach die Geschichte ihrer Familie, Flucht, Vertreibung, Neuanfang in einer Lesung ihres Buches „Der unwegsame Pfad“ dar.

Am Nachmittag ging es dann zum Erntefest in den 460 Einwohner zählenden Ortsteil Ober-Zauche / Sucha Gorna der Stadt Heerwegen/Polkowitz, wo wir mit polnischem Gesang und musikalischen Beiträgen bereits am Eingang begrüßt wurden. Die Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, uns in großer Anzahl, von der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Heerwegen/Polkowitz, mehreren Abgeordneten, dem Ortsbürgermeister und der Direktorin Dorota Delazek zu begrüßen.



Polnische Folklore wurde nach den Begrüßungsworten präsentiert, leckere Speisen und Getränke wurden gereicht. Die Begegnung fand im Feuerwehrhaus statt, sodass natürlich auch die zwei herausragend gepflegten Fahrzeuge besichtigt werden konnten.
Als äußeren Dank wurde neben einem wunderbaren Blumenstrauß ein Bild mit der Ansicht von dem ursprünglich geplanten Herbersdorf und kurzer Beschreibung – hergestellt durch den Vorsitzenden der Heimatgruppe Lüben, Siegfried Bräunlein, von Peter Winkler übergeben.



Die Begegnung war erneut von gegenseitiger Freude gekennzeichnet, dass solches heute möglich ist. Auch wenn die Sprachschwierigkeiten in der einzelnen Verständigung vorhanden waren, wirken diese Begegnungen trotzdem doch lange Zeit nach.



Am folgenden Tag führte Peter Winkler eine stattliche Gruppe Interessierter durch die Innenstadt, erläuterte die Gegend um das Piastenschloss, die Ringe, die Innenstadtkirchen bis zum Palmenhaus, den Haag und den Ziegenteich.

Am Nachmittag wurde durch Frau Monika Hönigschmid im Hotel ein Vortrag über die Liegnitzer Stadtkirchen gehalten und Auskunft darüber gegeben wurde, wo, welche Kirchenbücher lagern und evtl. eingesehen werden können.



Um 14.00 Uhr fand dann der Erntedankgottesdienst in der evangelischen Liebfrauenkirche statt. Die Liturgie wurden von Probst Andrzej Fober aus Breslau und dem Liegnitzer Priester Jerzy Gansel gehalten. Musikalisch bereicherte den Gottesdienst der Chor der Deutschen Volksgruppe aus Waldenburg mit zwei Gesängen.

Anschließend fand das Kaffeetrinken in zwei Räumlichkeiten der Kirche statt mit leckerem selbst gebackenem Kuchen, wo auch die Gelegenheit bestand, sich auszutauschen.

Weiterer Höhepunkt war das gemeinsame Abendessen aller angereisten Teilnehmer.
Die Tanzgruppe „Legnica“ unter der Leitung von Frau Elisabeth Tor zeigte hervorragend einstudierte deutsche, ja schlesische Volkstänze, wie den Tüchlatanz oder die Eccosaisse. In der Tracht der Tänzerinnen mit Weißstickerei aus Schreiberhau waren die Darbietungen eine Augenweide. Der verstorbene Jürgen Gretschel führte gedanklich Regie, als die jungen Menschen den ersten Vers des Liedes „Die Gedanken sind frei“ in deutscher Sprache sangen.
Eine Musikant spielte dann altbekannte Lieder, die gern von allen mitgesungen wurden.
Frau Susanne Ackermann brachte schlesische Mundart zu Gehör.


Der stellvertretende Vorsitzender der Bundesgruppe Liegnitz Peter Winkler bedankte sich bei allen und gab der Hoffnung Ausdruck, dass Treffen dieser Art weiterhin möglich sind und damit die Verbindungen zwischen den Menschen, denen eine Stadt am Herzen liegt, die aber in zwei Staaten liegt, im vereinten Europa gestärkt werden.

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