Wappen Liegnitz

Erntedank 2017 in Liegnitz

Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Gedenkstunde auf dem Liegnitzer Hauptfriedhof 30.09.2017
Empfang beim Stadtpräsidenten - Teilnehmer 30.09.2017
Empfang beim Stadtpräsidenten - Teilnehmer 30.09.2017

„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn“
unter diesem Motto stand wiederum, das Erntedankfest in diesem Jahr in unserer Heimatstadt Liegnitz.
Die Bundesgruppe Liegnitz e. V. Wuppertal hatte in Zusammenarbeit mit den Freunden der Deutschen Sozial-kulturellen Gesellschaft in Liegnitz und der evangelischen Gemeinde (deutscher Zunge) aus Breslau bzw. Liegnitz sowie der Gemeinde Arnsdorf – Rüstern im Landkreis Liegnitz die Feierlichkeiten vorbereitet und durchgeführt.
Es ist schon eine jahrelange Tradition, dass in Liegnitz, in der ältesten Kirche der Stadt, der Liebfrauenkirche, in der Nähe des Pastor Meissler Platzes das kirchliche Erntedankfest gemeinsam begangen wird. Aus dieser Tradition heraus entwickelten sich die Erntefeiern in einer Gemeinde im Landkreis Liegnitz.
Es begann in Wahlstatt, setzte sich fort in Siegendorf-Arnsdorf, Parchwitz, Kunitz, Neudorf und nunmehr in Rüstern.

Der Rahmen dieser Heimattage wurde auch durch zwei „Roll-up“ gestaltet durch Henry Näpelt bzw. Peter Winkler in der Halle des Hotels Qubus sichtbar, in dem die Gugali, die vor 90 Jahren in Liegnitz durchgeführt wurde bzw. Stadtansichten aus unserer Zeit gezeigt. Aber auch die Hotelleitung präsentierte fortlaufend online alte Stadtansichten hinter der Rezeption.

Die Feierlichkeiten begannen, wie in all den Jahren der Zusammenkünfte mit einer Gedenkstunde unserer Verstorbenen am Ehrenmal auf dem Zentralfriedhof in Liegnitz am Sonnabend, 30.09.
Nach einführenden Worten von Peter Winkler mit Gedanken des schlesischen Pastoren Klaus-Dieter Härtel und dem Niederlegen eines Gedenkgesteckes mit den Schleifen gelb/blau der Stadt Liegnitz. Sodann hielt erneut Frau Hönigschmid, als Beauftragte für das Gustav-Adolf-Werk die Ansprache mit aus der Bibel entnommenen Dankesworten zu diesem herbstlichen Fest und dem Erinnern an unsere hier Verstorbenen. Mit dem gemeinsam gesprochenen Gebet des Herrn und dem Singen der Lieder „Komm Herr segne uns“ sowie „Wir pflügen und wir streuen“ wurde diese Feierstunde umrahmt bzw. beendet.

Anschließend wurde zu den Grabstätten unserer unvergessenen Rosel Langierowicz und Jürgen Gretschel gegangen und dabei auch festgestellt, dass das Lapidarium um weitere Grabsteine erweitert werden konnte.

Wie in all den anderen Jahren empfing uns anschließend der Stadtpräsident (Oberbürgermeister) von Liegnitz Tadeusz Krzakowski im Sitzungssaal in der 2. Etage des Neuen Rathauses.
Mit sehr herzlichen und persönlich gehaltnenen Worten des Willkommens in der gemeinsamen Heimatstadt zeigte er uns zuerst online diverse Gebäude, Szenen aus dem Leben der Stadt, über sportliche Aktivitäten und die Anlagen und äußerte die Aufgabe, das das gemeinsame Erbe zu erhalten und in die moderne Zeit zu überführen sei. Er zeigte dabei auch moderne Bildungsangebote auf, Veränderungen in der Verkehrsführung, die Müllverwertung und die Öffnung für Kunst und Kultur durch neue Medien.
So sei nur beispielhaft genannt, eine neue Katzbachbrücke im Süden zu bauen, das Schießhaus einer zukunftsweisenden Zweckbestimmung der Forschung zu öffnen, die Bergerwiese zu erneuern, anstelle der derzeitigen Konzertmuschel neue Gebäude zu errichten und den Innenhof der Ritterakademie mit einem Glasdach zu versehen oder das Südbad zu erneuern und mit modernen Solaranlagen zu versehen.

Wichtig waren dem Stadtpräsidenten die Aussagen, dass uns viele gemeinsame Dinge verbinden und er verwies auf die eigene Biografie seiner Vorfahren, die aus dem Gebiet der jetzigen Ukraine vertrieben wurden. Gerade die Minderheiten sind ein wesentlicher Bestandteil der Stadt, die sich einbringen und kulturelle Vielfalt bieten.

Er verwies dabei auf die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Deutschen Sozial-kulturellen Gesellschaft und würdigte die Verdienste des verstorbenen Vorsitzenden Jürgen Gretschel, würdigte aber auch die anerkennende Arbeit der Herren der Internetplattform Liegnitz.pl und der Bemühungen in der ehemaligen Petrischule ein Museum einzurichten, das die deutsche Geschichte der Stadt Liegnitz dokumentiert und damit auch ein Stück Heimat für uns wird.

Letztlich aber wurde auch die Zusammenarbeit mit dem deutsch-polnischen Verein aus Wuppertal, mit dem neuen Vorsitzenden Jörg Eckholdt aus Wuppertal, der aus der Partnerschaft zwischen den Städten Wuppertal und Liegnitz erwachsen ist, gewürdigt - jährt sich im kommenden Jahr doch die 25 jährigen Zusammenarbeit beider Städte als Partner.
Im Rahmen des Gesprächs wurde auch dem amtierenden Pastor Jerzy Gansel gedankt für die bisherige gemeinsame Arbeit im kirchlichen Bereich.

Anschließend an diesen herzlichen Empfang fand der Stadtpräsident noch Zeit, uns die renovierten prunkvollen Empfangsräume, wie seinen Arbeitsraum und das ehemalige Standesamt mit der Rosendecke und wertvollen Möbeln und Wandmalereien zu zeigen, dass uns alle sehr beeindruckte.

Danach war eine Präsentation der Arbeiten der Stiftung Fundacja Historyczna Liegnitz.pl der Herren Brzezinski, Makuch und Rodack im benachbarten Haus Petristraße – jetzt ul. Piotra - zu genießen. Diese Herren stellen nicht nur Liegnitz im Internet vor unter Liegnitz.pl vor, wie es bis 1945 war, sondern sind zzt. dabei, das Haus innen zu erneuern, sondern hatten auch in Tischvitrinen interessante Dokumente aus der Zeit vor 1945 gezeigt.
Die Bundesgruppe hatte als Geschenk ein Klavier der Pianofortefabrik Seiler beigesteuert.
Interessant war auch das Fenster im Treppenhaus, in dem die Familien der „Vettern von Wahlstatt“, dem Zusammenschluss aus der Schlacht am 09.04.1241, die Familien von Nostitz, Prittwitz, Rothkirch, Sydlitz, Strachwitz und Zedlitz ihre Wappen als Glasmalerei eingelassen haben.

Nach diesen interessanten Eindrücken wurden wir mit Orgelmusik sodann vom Ortsgeistlichen im benachbarten Rüstern in der Kirche empfangen, der uns kurze Erläuterungen über die Kirche gab, bevor um 15.00 Uhr zu unserer Freude wir mit dem Geläut der alten Glocken begrüßt wurden.
Anschließend erwartete uns der Bürgermeister Stachura und die Direktorin für Kultur und Sport Frau Graf der Gemeinde Arnsdorf, zu der heute Rüstern kommunalpolitisch als Ortsteil gehört, im großen Sitzungssaal des Feuerwehrhauses.

Nach herzlichen Begrüßungsworten wurden wir mit reichlichen Speisen und Getränken verwöhnt, wobei allerdings als Höhepunkt, ein flambiertes Wildschwein präsentiert wurde.
Neben diesen Genüssen wurden wir zu Beginn vom Musikzug der Feuerwehr mit zünftigen Märschen begrüßt und während des Essens erfreute uns die Tanzgruppe „Furmani“ aus Rüstern mit sehr schwungvoller, fast akrobatischer polnischer Folklore - Darbietungen, die sicherlich seinesgleichen suchen.
Eine Teilnehmerin aus Rüstern, jetzt Hildesheim, Susanne Ackermann, stellte dann ihr Dorf vor wie sie es kannte und überreichte anschließend diese Präsentation mit einigen alten Bildern von der Bundesgruppe hergestellt (durch Hans-Dieter Eckert), an die Gemeinde als Dank und Erinnerung an Rüstern, wie es zu deutscher Zeit war.

Das dann um 20.00 Uhr das im Hotel bestellte Abendessen fast nicht mehr eingenommen werden konnte, war klar.

Der Sonntag begann mit dem von Peter Winkler angebotenen Stadtgang. Dieser ging vorbei an der Post, dem Glogauer Torturm, dem Schloss, der Johanneskirche, der Ritterakademie, dem kleinen und großen Ring durch die Fimmlergasse, Friedrichsplatz, Auguste-Victoria-Schule am Hindenburgplatz, dann über die Augustastraße zur Bergerwiese, der Pergola, dem Palmenhaus und endete mit einem Blick auf den Ziegenteich.

Um 12.00 Uhr führte uns der Direktor des Kupfermuseums Andrzej Niedzielenko mit seiner  Mitarbeiterin Aleksandra Kusnierz in der Ritterakademie durch die Ausstellung über das Leben und Werk des Liegnitzer Künstlers und Pädagoge Walter Bayer (1883 – 1946). Vielen der Mitreisenden war sein Schaffen fast unbekannt, seine Werke mit den Zeichnungen und Malereien überraschten daher um so mehr und alle Anwesenden waren beeindruckt von der Ausdrucksweise der Bilder und waren dankbar über die Präsentation.

Ab 13.00 Uhr begann dann der Erntedankgottesdienst mit Chorgesängen des polnischen Chores aus Wisla im Teschener Schlesien, aber auch mit Klängen durch den Posaunenchor der ev. Kirchen aus Görlitz unter der Leitung des Diakons Gotthard Pissang. Die Predigt hielt Prof. Dr. Werner Lanz, Oberforstmeister und Pfarrer, ein gebürtiger Breslauer für den es auch etwas Besonderes war, in deutscher Sprache auf einer schlesischen Kanzel und dann zu Erntedank predigen zu können.
Die Liturgie wurde gehalten durch Probst Fober aus Breslau und Pfarrer Gansel aus Liegnitz.

Anschließend erfreute uns der sogenannte Kirchenkaffee im Gemeindesaal der Kirchengemeinde mit leckerem schlesischen Kuchen.

Neu in der Gestaltung war der Vortrag von Frau Hönigschmid über Mühlen im Liegnitzer Land vorgetragen im Hotel Qubus.

Abschluss dieser Festlichkeiten war dann um 19.00 Uhr das gemeinsame Abendessen.
Zuvor aber wurde vom Vorsitzenden der Bundesgruppe Liegnitz, Klaus Rudolph den erschienenen Ehrengäste gedankt, wie Frau Janina Lisowska, die früher hilfreich bei der Stadtverwaltung für uns tätig gewesen war, Pfarrer Gansel, dem deutsch-polnischen Freundschaftskreis mit Jörg Eckholdt, dem Bundesvorsitzenden der uns befreundeten Lübener Heimatgruppe Siegfried Bräunlein, dem Vorsitzenden der deutschen Volksgruppe Damian Stefaniak mit Johanna Gurbiel und Arthur Biachowski.
Den Abend verschönte, die uns allen bekannte Tanzgruppe mit schlesischen Tänzen wie z. B. dem Tüchlatanz oder der schlesische Ecossaise teilweise mit deutschem bzw. polnischem Gesang untermalt, unter der Leitung von Elzbieta Tor, sowie dem Singen der uns bekannten Volkslieder, wobei das Lied der Gugali ein Höhepunkt war anlässlich der 90 jährigen Wiederkehr dieser Garten- und Gewerbeausstellung 1927, gekonnt und hervorragend von dem Akkordeonspieler vorgetragen und von allen gesungen, als wäre die Ausstellung erst gestern gewesen.
Es waren wieder interessante Tage, ausgefüllt mit einem abwechslungsreichen Programm, dass für jeden etwas angeboten hatte.
Trotzdem bestand Zeit bei diesem wunderbaren schlesischem Wetter mit blauem Himmel die weitere Zeit in Liegnitz in seinen Anlagen oder Eisdielen zu verbringen oder in der Ausstellung in der Ritterakademie schwelgen, wie Liegnitz vor 100 Jahren aussah, die von der jetzigen Bevölkerung mit großem Interesse verfolgt wurde.



Peter Winkler
Mitglied des Vorstandes der Bundesgruppe Liegnitz e.V.




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